Größe und Grenzen der »China Study« – Schrieben die Campbells die »Bibel der Veganer«?

Man kommt, um das gleich vorwegzunehmen, bei der Lektüre der über vierhundert Seiten starken »China Study« aus dem Staunen nicht heraus. Wir stoßen auf fundamentale Einsichten. Die beiden Wissenschaftler, Vater T. Colin Campbell und Sohn Thomas M. Campbell, kritisieren fundamental: »Ernährung als Schlüssel zur Gesundheit stellt eine machtvolle Herausforderung an die konventionelle Medizin dar, die im Wesentlichen auf Medikamenten und Operationen basiert«. Sie folgern: »Gäbe es in Medizinerkreisen ein besseres Verständnis für die Wichtigkeit der Ernährung und eine größere Akzeptanz für Prävention und natürliche Behandlungsmethoden, würden wir im letzten Stadium einer Erkrankung nicht so viele toxische, potenziell tödliche Drogen in unsere Körper hineinschütten. Wir würden nicht verzweifelt nach der einen neuen Medizin suchen, die zwar alle Symptome erleichtert, aber oftmals nichts an der zugrunde liegenden Ursache unserer Erkrankung ändert. Wir würden unser Geld nicht für die Entwicklung, Patentierung und Kommerzialisierung so genannter ›Wundermittel‹ ausgeben, die oft zusätzliche Gesundheitsprobleme schaffen.«

Viele kritische Beobachtungen der beiden Amerikaner, die ihre Studie in den 1970er und 1980er Jahren in Zusammenarbeit mit der Pekinger Regierung an sechstausendfünfhundert Menschen aus fünfundsechzig ländlichen chinesischen Provinzen erarbeiteten, entsprechen dem, was die deutschen Ärzte Dr. Max Otto Bruker, Prof. Dr. Werner Kollath und Prof. Dr. Lothar Wendt (Letzterer in seinen Forschungen über die Eiweißspeicherkrankheiten als Folge tierischer Eiweißmast) herausgefunden und publiziert haben. Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang ebenfalls der Schweizer Arzt und Ernährungspionier Dr. M. O. Bircher-Benner.

Der deutsche Verlag »systemische Medizin« wählte, wohl um auf die zurzeit populäre Veganwelle aufzuspringen, für die zweite Auflage der »China Study« den Untertitel »Die wissenschaftliche Begründung für eine vegane Ernährungsweise«. Tatsächlich sprechen die Autoren durch das ganze Werk überwiegend von einer vegetarischen und vollwertigen Ernährungsweise und haben im amerikanischen Original folgenden Untertitel gewählt: »Die umfassendste Studie über Ernährung, die jemals durchgeführt wurde, und die alarmierenden Schlussfolgerungen über Ernährung/Diät, Gewichtsverlust und langfristige Gesundheit.«

So schreibt der Veterinärmediziner T. Colin Campbell ganz allgemein: »Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass der Nutzen, den eine Ernährung mit pflanzlichen Nahrungsmitteln bringt, bei weitem vielfältiger und eindrucksvoller ist als bei jeder medikamentösen oder chirurgischen Therapie in der medizinischen Praxis. Herzerkrankung, Krebs, Diabetes, Schlaganfall und Bluthochdruck, Arthritis, Katarakt, Alzheimer, Impotenz und viele andere chronische Erkrankungen können großteils (von uns hervorgehoben M. J., I. G.) verhindert werden.«

Gute und schlechte Kohlenhydrate

Wie oft hört man von Laien, die abnehmen wollen: »Ich muss auf Kohlenhydrate verzichten.« Das ist blankes Unwissen, denn es kommt auf die Art der Kohlenhydrate an. Wenn wir eine Mahlzeit verzehren, essen wir kohlenhydrathaltige Lebensoder Nahrungsmittel. Die wichtigsten Vertreter der raffinierten/isolierten Kohlenhydrate sind Stärke und die verschiedenen Zuckerarten. Die »China-Studie« beschreibt die zwei unterschiedlichen Kohlenhydrate – ähnlich wie dies Dr. Bruker etwa in »Unsere Nahrung – unser Schicksal« oder »Zucker, Zucker« tut – mit unmissverständlicher Prägnanz: »Mindestens 99 % der Kohlenhydrate, die wir zu uns nehmen, stammen aus Obst, Gemüse und Getreide. Wenn diese Nahrungsmittel im unverarbeiteten, unraffinierten, naturbelassenen Zustand konsumiert werden, dann befindet sich ein großer Teil der Kohlenhydrate in der so genannten ›komplexen‹ Form. Das bedeutet, dass sie auf kontrollierte geregelte Art während der Verdauung aufgeschlüsselt werden. Diese Kategorie der Kohlenhydrate beinhaltet die vielen Formen der Ballaststoffe, von denen beinahe alle unverdaut bleiben, aber dennoch für einen essenziellen gesundheitlichen Nutzen sorgen. Darüber hinaus sind diese komplexen Kohlenhydrate aus vollwertigen Nahrungsmitteln mit großzügigen Mengen von Vitaminen, Mineralien und nutzbarer Energie gebündelt. Obst, Gemüse und ungeschältes Getreide sind die gesündesten Nahrungsmittel, die Sie konsumieren können, und sie bestehen hauptsächlich aus Kohlenhydraten.«

Was ist mit den schädlichen Kohlenhydraten? Campbell: »Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es industriell weiterverarbeitete, hochraffinierte Kohlenhydrate, deren Ballaststoffe, Vitamine und Mineralien entfernt wurden. Typische einfache Kohlenhydrate findet man in Nahrungsmitteln wie Weißbrot und Backwaren, in industriell weiterverarbeiteten Imbisswaren inklusive Keksen und Chips, die aus Weißmehl gemacht sind, Süßwaren einschließlich Mehlspeisen und Schokoriegeln sowie in stark zuckerhaltigen  Limonaden.« Die überwiegende Mehrheit von Kohlenhydraten kommt, so die »China-Studie«, heute in Junkfood vor oder im Auszugsmehl, »das derart denaturiert ist, dass es mit Vitaminen und Mineralien angereichert werden muss«.

Gegen Puddingvegetarismus

Vegetarier und Veganer meinen oft, der Verzicht auf artfremdes tierisches Eiweiß allein garantiere Gesundheit. Man nennt dies den »Puddingvegetarismus« oder »Puddingveganismus«. Die Campbells klären den Leser auf: »Denken Sie daran, dass eine strikte vegetarische Kost nicht notwendigerweise das Gleiche ist wie eine Kost, die auf vollwertigen pflanzlichen Nahrungsmitteln basiert. Einige Menschen werden Vegetarier und ersetzen das Fleisch durch Milchprodukte, zusätzliche Fette und raffinierte Kohlenhydrate, die Nudeln aus raffiniertem Getreide, Süßigkeiten und Mehlspeisen einschließen. Es handelt sich um Junkfood-Vegetarier, weil sie keine nährstoffreiche Kost zu sich nehmen«.

Kalorienzählen bringt nichts, konstatiert die China-Studie: »Zuallererst verwerfen Sie alle Vorstellungen über das Zählen von Kalorien. Allgemein gesprochen können Sie essen, so viel Sie wollen und trotzdem abnehmen – sofern Sie die richtige Art von Nahrungsmitteln zu sich nehmen.« In diesem Sinn ist, so registriert die China-Studie, die Adipositas, das krankhafte Übergewicht, keine genetische Veranlagung, sondern die Folge einer jahrelangen verheerenden Fehlernährung. Wir können also die Ursache der meisten unserer Krankheiten beeinflussen. Campbell: »Sie liegt auf unserer Gabel«.

Wer die Bücher von Dr. Max Otto Bruker gelesen hat, der wird die Fehlernährungsursachen bei Dickdarmkrebs, Diabetes, Nierensteinen, Osteoporose, Herzerkrankungen, Gehirnschlag und manchen Augenproblemen als Folge einer ungesunden Ernährungsweise anerkennen. Hier entwickelt die »China-Studie« aufrüttelnde Qualität. Rund 8000 Studien haben die beiden Wissenschaftler für ihr alarmierendes Werk ausgewertet. Das statistische Material ist beeindruckend. Besonders kritisieren die Autoren das fast völlige Fehlen des Präventionsgedankens in der Medizin. Drastisch formulieren sie den Tunnelblick medizinischer Spezialisten am Beispiel der Kardiologie: »Man denke an einen Kardiologen, der alles über Betablocker und Calcium-Antagonisten gelernt hat, der lernte, wie man einen Katheter in Ihr Herz einführt, Ballone aufbläst, lasert oder ein Stent einsetzt, ohne Sie umzubringen. Das ist hochentwickelte Medizin. Ach du lieber Gott, ich meine, dass Ärzte den Ballon in ihrem Kopf aufblasen. Das Ego dieser Leute ist enorm. Und dann kommt jemand und sagt: ›Wissen Sie, ich glaube, wir können das auch mit Rosenkohl und Brokkoli heilen.‹ Die Antwort des Arztes ist: ›WIE BITTE? Ich habe diesen ganzen Mist gelernt, ich verdiene ein verdammtes Vermögen damit, und Sie wollen mir das Ganze wegnehmen?‹«

Als die Weltgesundheitsorganisation WHO davor stand, eine vergleichsweise geringe Obergrenze von zehn Prozent für zugesetzten Fabrikzucker in den Nahrungsmitteln zu empfehlen, organisierte die amerikanische Zuckervereinigung und die World Sugar Research Organization, eine Organisation zur Forschung rund um Zucker, von den Zuckerraffinerien finanziert, eine mörderische Kampagne, um den WHO-Bericht zu diskreditieren. Die »China Study« berichtet: »WHO-Mitarbeiter beschrieben diese Drohung als ›gleichbedeutend mit Erpressung und schlimmer als irgendein von der Tabakindustrie ausgeübter Druck‹. Die beiden Organisationen drohten sogar öffentlich, auf den US-Kongress Einfluss zu nehmen, damit dieser die 406 Millionen US-Dollar-Förderung der WHO reduzieren sollte, wenn sie auf der Beibehaltung der Obergrenze von zehn Prozent bestehen würde!«

Tiereiweiß für alle Krankheiten verantwortlich?

Die »China Study« ist so weit – so gut und so materialreich dokumentiert, wie man es selten liest. Doch es ist nicht korrekt, dass die Autoren die ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten allein auf den Konsum von Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs zurückführen. Ist der Krebs wirklich allein durch den Verzehr artfremden tierischen Eiweißes verursacht? Ist das nicht monokausal gedacht? Spielen nicht Nikotin- und Alkoholmissbrauch, chemische Umweltgifte, Radioaktivität und zusätzlich schwere lebensbedingende Spannungen auch eine entscheidende Rolle? Ist das Kuhmilchprotein, wie hier behauptet, tatsächlich krebserzeugend? Entsteht der Prostatakrebs durch die Milchprodukte, namentlich das Kasein? Steht allen Ernstes »der Kuhmilchkonsum in direktem Zusammenhang mit einer Zunahme von Typ I-Diabetes«? Warum unterscheiden die Autoren nicht zwischen einer natürlichen Rohmilch und der pasteurisierten beziehungsweise H-Milch? Das macht einen gravierenden Unterschied aus! Ist der Fleischkonsum hauptursächlich für die Entstehung der multiplen Sklerose verantwortlich?

Auf den Zusammenhang zwischen tiereiweißreicher Ernährung und der Entstehung chronischer Erkrankungen einseitig fixiert, verlieren die Autoren der »China-Studie« die multifaktoriellen Ursachen der ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten an entscheidenden Stellen aus dem Auge. Sie propagieren außerdem den Verzehr von Sojaproteinen, obgleich Soja durch den Handel überwiegend in raffinierter Form angeboten wird.

Obwohl sie sich für den Verzehr von Vollkornbroten aussprechen, äußern sie an anderer Stelle (S. 215) Bedenken: »Getreide kann vor allem dann zur Übersäuerung führen, wenn es nicht lange genug gekaut wird. Die Verdauung der komplexen Kohlenhydrate beginnt im Mund durch ein Enzym namens Ptyalin, das im Speichel enthalten ist und dessen Produktion durch den Kauvorgang dann angeregt wird. Vor allem bei Vollkornbrot, bei dem das Korn nicht ganz vermahlen ist, kann es passieren, dass durch zu wenig langes Kauen die Körner im Magen liegen bleiben und Völlegefühl und in weiterer Folge Aufstoßen oder Blähungen verursachen.«

Das von Dr. M. O. Bruker entdeckte und über Jahrzehnte belegte Verträglichkeitsproblem, hervorgerufen vorwiegend durch den Verzehr von Fabrikzuckerarten, ist den Autoren unbekannt und wird deshalb nicht in Erwägung gezogen. Campbell: »Je mehr wir glauben, dass ein einzelner Bestandteil ein ganzes Nahrungsmittel ausmacht, desto mehr verirren wir uns in Schwachsinn. Wie wir … sehen werden, hat uns diese Denkweise sehr viel mangelhafte Wissenschaft beschert.«

Die Autoren Campbell stellen wiederholt und überzeugend klar, dass ein Isolat, ein Teilprodukt (wie es zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel sind), nicht dieselbe positive Wirkung hat wie der Verzehr pflanzlicher Lebensmittel in Form von Obst, Gemüse, Getreide, Nüssen. In ihren Tierfütterungsversuchen verwenden sie jedoch isoliertes Kasein und führen die Ergebnisse als Beweis für die Ursache von Prostatakrebs an. Haben die Autoren diesen Widerspruch nicht bemerkt? Er zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch.

Dr. M. O. Bruker schreibt in »Unsere Nahrung – unser Schicksal«, emu-Verlag: »Der Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Werner Kollath wies bei Tierfütterungen nach, dass die übliche Extraktion des Kasein (Milcheiweiß) mit Alkohol bei 74 Grad Celsius zu einer solchen Denaturierung des Eiweißes führt, dass die Versuchstiere nach 4 – 6 Wochen starben, während sie bei der Fütterung mit Kasein, das durch schonende Ätherbehandlung bei niedriger Temperatur gewonnen wurde, bei sonst gleicher Diätzusammensetzung jahrelang am Leben erhalten werden konnten.« Derartige Studien wurden von den Autoren Campbell nicht erwähnt, waren offensichtlich nicht bekannt.

Nahrungsergänzungsmittel?

In der Frage der Nahrungsergänzungsmittel, die in der Vegan-Szene propagiert werden, sind die Campbells nicht konsequent. Einerseits konstatiert T. Colin Campbell: »Ich habe auf den gesundheitlichen Wert von vollwertigen pflanzlichen Nahrungsmitteln hingewiesen, spätestens seit Vitaminergänzungsmittel in größerem Rahmen auf dem Markt eingeführt worden sind. Und ich habe mit Bestürzung zugesehen, wie die Industrie und die Medien so viele Menschen überzeugten, dass diese Produkte dieselbe gesunde Ernährungsweise repräsentieren wie vollwertige pflanzliche Nahrungsmittel. Wie wir … sehen werden, ist der versprochene gesundheitliche Nutzen durch die Einnahme von Ergänzungsmitteln einzelner Nährstoffe höchst fragwürdig. Der ›Merksatz für Zuhause‹: Wenn Sie Vitamin C oder Beta-Carotine wollen, greifen Sie nicht zum Pillenfläschchen, greifen Sie zu Obst oder dunkelgrünem Blattgemüse.«

Andererseits konzediert der gleiche Autor: »Trotz der gesellschaftlichen Besessenheit von Nahrungsergänzungsmitteln, die ernsthaft von anderen, weit wichtigeren Ernährungsinformationen ablenkt, bin ich nicht der Meinung, dass Ergänzungsmittel immer vermieden werden sollten. Wir speichern Vitamin B12 schätzungsweise drei Jahre lang. Wenn Sie drei Jahre lang oder länger keine Tierprodukte essen, schwanger sind oder ein Baby stillen, dann sollten Sie die zeitweilige Einnahme einer kleinen Vitamin B12-Menge in Erwägung ziehen oder jährlich Ihre Blutspiegel von B-Vitaminen und Homocystein untersuchen lassen. Ebenso, wenn Sie nicht genügend Sonnenlicht bekommen, besonders während der Wintermonate, könnten Sie eventuell Vitamin D einnehmen.«

Wenige Seiten später (auf S. 260) verstärkt der Autor sein Plädoyer für Supplemente mit den Worten: »Die tägliche Ergänzung von Vitamin B12 und eventuell auch von Vitamin D für Menschen, die die meiste Zeit drinnen verbringen und/oder in nördlichen Klimaregionen leben, wird empfohlen.«

Fragwürdige Ratschläge

Mit Recht konstatieren die Autoren mit dem griechischen Arzt Hippokrates (460 – 370 v. Chr.): »Wie kann einer, der Nahrungsmittel nicht kennt, die Krankheiten der Menschen verstehen«. Doch in der »China-Studie« stilisieren sie die Lebensmittel – den Unterschied zwischen »Nahrungsmitteln« und »Lebensmitteln« machen sie begrifflich nicht klar – zu wahren Wunder- und Zaubermitteln. So behaupten die Autoren: »Die dramatischste und neueste Erkenntnis ist, dass die koronare Herzkrankheit durch eine gesunde Ernährungsweise nicht nur verhindert, sondern sogar rückgängig gemacht werden kann.«

Das stimmt so nicht. Herzerkrankungen können nicht allein mit Ernährung rückgängig gemacht werden. Das trifft in dieser pauschalen Formulierung auf keinen Fall zu. Die verhärteten Ablagerungen (Arteriosklerose) in den Herzkranzgefäßen sind zum Beispiel irreversibel. Jeder Medizinstudent und jeder Kardiologe kann bestätigen, dass bei der Obduktion entsprechender Fälle steinharte Ablagerungen gefunden werden, auf denen man, wie Dr. Brukers Nachfolger, Dr. med. Jürgen Birmanns, formuliert, »mit der Pinzette Musik machen kann«. Allenfalls sind beginnende weiche atheromatöse Plaques am Endothel (Innenauskleidung der Gefäße) reversibel (rückbildungsfähig) bei konsequenter Einhaltung einer tiereiweißfreien vollwertigen Ernährung mit hohem Frischkostanteil. Aber der verantwortungsbewusste Arzt wird die gesamte Lebensweise des Betroffenen einbeziehen, also nicht nur die Ernährung, sondern auch Ausdauertraining, Stressabbau, Meiden von Genussgiften, Lebens- und Beziehungsfragen.

Die Behauptung, »dass fortgeschrittene Herzerkrankungen, bestimmte relativ fortgeschrittene Krebsarten, Diabetes und einige andere degenerative Erkrankungen durch Ernährung rückgängig gemacht werden können«, ist in dieser apodiktischen Version unhaltbar. Ein Diabetes kann im positiven Fall gebessert werden, aber als Krankheit bleibt er bestehen. Bei Fehlernährung taucht er prompt wieder auf. Geradezu gefährlich werden die Heilungsversprechungen durch Fleischverzicht, wenn es um die »relativ fortgeschrittenen Krebsarten« und ihre Heilung durch Ernährung geht, denn Krebskranke klammern sich bekanntlich an jeden Strohhalm einer so genannten medizinischen Wundertherapie. Krebsursachen sind aber multifaktoriell.

Warum wir zum Beispiel Olivenöl auf ein Minimum reduzieren sollen, bleibt auch bei allen biochemischen Analysen der Campbells unerfindlich. Wer sich mit der Qualität einer vitalstoffreichen, also vollwertigen Ernährung befasst und sie praktiziert, wird auch Olivenöl nicht als gepantschtes Billigprodukt zum Dumpingpreis kaufen, sondern ein hochwertiges, unraffiniertes, »kaltgepresstes Öl« verwenden. Die Autoren Campbell differenzieren dabei nicht.

Fazit

Die »China Study« wirbt beeindruckend für die vegetarische Ernährungsweise, die sie als PBE (pflanzenbasierte Ernährung) bezeichnet. Sie macht jedoch das Tiereiweiß zur Ursache aller ernährungsbedingten Krankheiten, behauptet die Heilung vieler Krankheiten durch dessen Verzicht und verwirrt in der Frage der Nahrungsergänzungsmittel. Warum wir zum Beispiel Olivenöl auf ein Minimum reduzieren sollen, bleibt auch bei allen biochemischen Analysen der Campbells unerfindlich.

Die »China Study« des Tierarztes T. Colin Campbell und des Chemikers Thomas M. Campbell muss daher kritisch und unter vollwertigem Aspekt gelesen werden. Wir haben auch den Band 2 » InterEssen« von T. Colin Campbell gelesen, in dem er schwerpunktmäßig die Einflussnahme der Pharmaund Nahrungsmittellobby auf politische Entscheidungen scharf kritisiert. Empfehlenswert!

 

T. Colin Campbell Thomas M. Campbell: China Study; geb., 423 Seiten, € 29,80

T. Colin Campbell Howard Jacobsen: InterEssen; geb., 321 Seiten, € 29,80

Quelle: DER GESUNDHEITSBERATER 2-2015