Honig: Ein gefährlicher Stoff

»Warnung: Kein Honig fürs Baby«

»Baby wurde durch Honig lebensbedrohlich vergiftet«

»Warum Honig für Säuglinge nicht geeignet ist«

»Honig: Risiko für Babys«, »Säugling erkrankt durch verseuchten Honig« …

Diese und ähnliche Pressemeldungen sorgten Ende September für Verunsicherung der Verbraucher, speziell der Eltern von Kleinstkindern.
Was war geschehen? Das Berliner Robert-Koch-Institut hat dringend davor gewarnt, die Nahrung von Babys mit Honig zu süßen. Bei einem Säugling aus dem Berliner Umland hatte honiggesüßter Tee lebensbedrohliche Vergiftungserscheinungen hervorgerufen (Stuttgarter Zeitung vom 29.9.1998). Wir bemühten uns um Klärung dieser gefährlich und bedrohlich klingenden Nachricht. Auffällig war, daß nur der meine Bienenhonig in Verdacht geriet. Auffällig war, daß weder der Tee noch Nahrung oder andere Verabreichungen in Betracht gezogen wurden.
Über das Robert-Koch-Institut erhielten wir über telefonische Rückfrage keine Angaben zum gemeldeten Fall. Ein GGB—Mitglied schickte uns jedoch ein Mitteilungsblatt, herausgegeben vom Klinikum Buch in Berlin. Darin wurde vor einer »großen Gefahr« gewarnt, die durch Krankheitserreger (Bacterium botulinum) im Honig ausgehen könnte, die möglicherweise »bei der Verarbeitung aus der Umwelt« hineingelangten. Es wurde dort im Mai 1998 ein dreieinhalb Monate altes Kind behandelt, das nach dem Genuß von Honig an Botulismus erkrankt sein soll.

Was ist Botulismus?

Bei Botulismus handelt es sich um eine meldepflichtige Erkrankung (Vergiftung), die durch Toxine vom Clostridium botulinum (closter, gr. = Spindel; betulus, It.: Wurst) hervorgerufen wird. Bei der Gattung Clostridium handelt es sich um Stäbchenbakterien. Sie sind in der Natur ubiquitär verbreitet und auch häufig im Intestinaltrakt des Menschen zu finden. Ihre Sporen bzw. vegetativen Formen finden sich im Erdboden, im Staub, im Wasser und als Standertflera im lntestinaltrakt von Säugetieren einschließlich des Menschen.
Der Botulismus entsteht nach enteraler (= über den Verdauungstrakt) Aufnahme von botulismus-toxinhaltigen Lebensmitteln. Fehlerhaft sterilisierte Konserven und unsachgemäß haltbar gemachte Fleischprodukte (Wurst, Schinken) können Clostriclium botulinum ideale Bedingungen zum Überleben bieten. Die Bakterien produzieren dort beim Wachstum Nervengifte, die zu schweren Krankheitserscheinungen führen (Lähmungserscheinungen der Augenmuskulatur, Mundtrockenheit, Sprach- und Schluckstörungen, später Lähmung der Atemmuskulatur und Atemstillstand). Der Nachweis des Bakteriums in Körperflüssigkeiten (Blut, Urin, Speichel, Stuhl) ist kein ausreichendes lndiz, um die Diagnose Botulismus zu stellen. Die Diagnose wird durch Nachweis des Toxins in Patientenmaterialien (Serum, Niageninhalt, Erbrochenes) oder ggf. im kontaminierten Nahrungsmittel gestellt. Dazu ist ein Tierversuch erforderlich.
Latenzzeit: Stunden, eventuell 4—6, (—14) Tage.
Von Säuglingsbotulismus spricht die naturwissenschaftliche Medizin bei Kolonisation des Darmtrakts mit Clostridium botulinum und anschließender dort stattfindender Toxinproduktion und Resorption.
Die Möglichkeit einer Kolonisation hängt entscheidend von der Zusammensetzung der Darmflora ab.
»Le bacille n’est rien, le terrain est tout« – »Der Bazillus ist nichts, der Nährboden ist alles« (Louis Pasteur).

Auszug aus dem Fallbericht

Aus dem für die Presse freigegebenen Fallbericht des Klinikum Buch geht hervor, daß aus dem »Rest des gefütterten Bienenhonigs die Anzüchtung von Clostridium botulinum gelang, jedoch keine Toxin-Typ-Bestimmung. Ein Toxinnachweis im Mäusetierversuch nach Aufbereitung des Honigs verlief negativ.« Der Bericht sagt weiterhin aus, daß der Honig dem Kind über einen Zeitraum von etwa sechs Wochen verabreicht wurde. Die Latenzzeit (der Zeitraum bis zum Ausbruch der Erkrankung) beträgt jedoch nur Stunden, allenfalls 4—6 (in Ausnahmefällen 14) Tage, so daß der Honig von Anfang an nicht kontaminiert gewesen sein kann. Wodurch wurde also der Honig im Verlauf der Wochen, in denen er verabreicht wurde, kontaminiert?
»Die Rachitis- und Fluorprophylaxe erfolgte seit der ersten Lebenswoche mit 1 Tablette Zymafluor D 500 täglich und wurde auch während des stationären Aufenthaltes fortgesetzt (Bericht vom 30.10.1998, Klinikum Buch).
»Bei der Schwere der Erkrankung und der unklaren Ätiologie begannen wir sofort nach der stationären Aufnahme eine parenterale Behandlung mit Gentamycin, Claforan und Zovirax« (Bericht vom 22.10.1998).
(Gentamycin und Claforan = Antibiotika; Zovirax: antivirale Substanz).
Bei Aufnahme wirkte der Säugling schwerkrank. Er war apathisch, wimmerte leise, atmete flach. Bei dem Versuch einer Lumbalpunktion kam es zum Atemstillstand. Die Laborbefunde des Kindes waren normal.
Am 10. Behandlungstag wurde Blut und Stuhl zur Untersuchung entnommen. Aus dem Stuhl gelang die Anzüchtung von Clostridium botulinum. Die Toxin-Typ-Bestimmung war positiv.
In der Korrespondenz von Dr. Bruker mit der Chefärztin des Klinikum Buch (22.10.1998) Wurde die Frage gestellt: »Ist Ihnen bekannt, dass es durch die Aufnahme von Fluoriden zu den Schädigungen kommen kann, die Sie in der Anamnese aufführen? Flache Atmung, Sopor, Schwäche sind als Folge der Lähmung der Gefäßnervenzentren aufzufassen. Auch die weiteren Symptome sind klassische Zeichen einer Fluoridvergiftung.« Das Antwortschreiben des Klinikums vom 30.10.1998 (Auszug): »Wir meinen, die Diagnose Säuglingebotulismus mit dem Nachweis von Clostridium betulinum und Clostridientoxin A in Blut und Stuhl des Säuglings belegen zu können.«

Fazit:

Wer könnte Interesse daran haben, diesen Einzelfall, der dazu noch Fragen offen läßt, der Presse zu übergeben und bundesweit zu Lasten des Honigs darzustellen?
Berechtigt die Seltenheit dieser Erkrankung, Honig auf die Stufe von Giften zu stellen und ihn im 1. Lebensjahr zu verbieten? Honig ist seit Urzeiten ein Süßungsmittel, das erst durch Errichtung der ersten Zuckerfabriken und die Massenproduktion von Fabrikzucker verdrängt wurde. Durch die Verbreitung der vitalstofireichen Vollwertkost gewinnt er wieder stärker an Bedeutung. Er ist in der Vollwertküche nicht wegzudenken und nach dem süßen Obst an zweiter Stelle zu nennen und durch keine andere sogenannte Alternative zu ersetzen (brauner Zucker, Dicksäfte, Ahornsirup, Agavensaft u.ä.).
Honig enthält Stoffe, die Bakterien am Wachstum hindern. Es sind sogenannte Inhibine, die antibakteriell wirken. Für die Entstehung von Botulin-Toxinen bietet Honig ein ungeeignetes Milieu. Da wäre das Augenmerk eher auf Fleisch, Wurstwaren und fehlerhaft sterilisierte Konserven zu richten. Vor deren Verfütterung an Kleinstkinder wurde bisher jedoch nicht bundesweit gewarnt.

Quelle: DER GESUNDHEITSBERATER 1-1999